STARTSEITE  |  WIR ÜBER UNS  |  TERMINE  |  KONTAKT

Inklusion

Seit den Achtzigern kämpfen Eltern für einen Platz für behinderte Kinder an Schulen. Was sie erreicht haben, sind Förderklassen. Die Inklusionsbewegung will mehr. In dem 2006 beschlossenen Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten ein inclusive education system zu errichten, in dem der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung der Regelfall ist.

  • Exklusion: Behinderte Kinder sind von jeglichem Schulbesuch ausgeschlossen.
  • Separation: Behinderte Kinder besuchen eigene abgetrennte Bildungseinrichtungen.
  • Integration: Behinderte Kinder besuchen mit sonderpädagogischer Unterstützung Regelschulen.
  • Inklusion: Alle behinderten Kinder besuchen wie alle anderen Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen Regelschulen, die die Heterogenität ihrer Schüler und Schülerinnen schätzen und im Unterricht fruchtbar machen.

Die Inklusion ist in vielen Ländern verbreitet und gesetzlich reguliert. Sie ist in Deutschland noch relativ wenig bekannt und wird kaum praktiziert. Oft wird sie fälschlicherweise als Disziplin der Sonderpädagogik betrachtet oder als ein weiteres Modell für die Integration von Schülern mit Behinderungen in den gemeinsamen Unterricht.

Das deutsche Bildungssystem ist bisher von der Idee und der Praxis der Selektion geprägt. Schüler werden nach der Grundschule beurteilt und dann eingeteilt in Mittel-, Realschule und Gymnasium. Schüler, die den Anforderungen dieser Schulzweige nicht entsprechen können, werden in die Förderschule verwiesen, wo nochmals nach Auffälligkeit und Förderschwerpunkt sortiert wird. Wer an einer der erstgenannten Schulen versagt, wird ein Jahr zurückgestuft oder an eine Schule mit "niedrigerem" Bildungsgang verwiesen. Man will so möglichst einheitliche Klassen mit einem gleichen Kenntnisstand erzielen. Diese Vorauswahl habe, so die Meinung der Inklusionspädagogen, Auswirkungen auf den gesamten Lebenslauf, während die einheitlichen Klassen keinen bewiesenen Vorteil bringen.

Die Idee der inklusiven Pädagogik besteht darin, keinen Schüler mehr als "andersartig" anzusehen. Eine Klasse bildet eine Einheit vieler unterschiedlicher Schüler, die alle förderbedürftig sind, denn jedes Kind ist einzigartig und bedarf einer individuellen Behandlung. Förderschulen werden somit überflüssig, und die Sonderpädagogik wird der "normalen" Pädagogik gleichgestellt: sie bilden eine Einheit. Statt verschiedener Schulen gibt es nur noch "eine Schule für alle" (Gemeinschaftsschule), die jeden individuell fördert und seine Interessen beachtet. Alle Schüler werden gemeinsam unterrichtet, ohne wenn und aber. Alle Pädagogen können alle Kinder unterrichten. Hilfestellungen dazu werden bei Bedarf bereitgestellt. Dies soll zu mehr Chancengleichheit, Gleichberechtigung und vor allem zu einem hohen Bildungsstandard führen.

Ein Rechtsgutachten des Völkerrechtlers Eibe Riedel kommt Anfang 2010 zu dem Schluss, dass Kinder mit Behinderungen nur in Ausnahmefällen vom Besuch einer Regelschule abgehalten werden dürfen und gesteht ihnen ein Recht auf den Besuch einer inklusiven Schule zu.
Stand: 03.01.2012

am 03.05.2017
Meinungsaustausch



[21.11.2015]
Wir über uns



107 Besucher
seit dem 18.06.2012